Jünger, reicher
Okt 12th, 2007 by Harald Maass
Die Immobilienerbin Yang Huiyan, 26, ist die reichste Frau Chinas
China Daily wusste er zuerst. Im April druckte die Staatszeitung das Bild von einer unscheinbaren Frau im weißen Brautkleid. “Tut uns leid, Junggesellen! Chinas reichste Frau ist verheiratet!”, schrieb das Blatt. Jetzt ist es offiziell. Laut der Zeitschrift “Forbes”, die jedes Jahr eine Liste der wohlhabendsten Chinesen erstellt, ist Yang Huiyan die reichste Frau der Volksrepublik und auch die reichste Asiatin. Das geschätzte Vermögen der 26Jährigen: 16 Milliarden US-Dollar.
Ihren Reichtum verdankt Yang Huiyan ihrem Vater und dem Wirtschaftsboom. Vor zwei Jahren übertrug Yang Guoqiang, Besitzer der Immobilienfirma Country Garden in der südlichen Provinz Guangdong, zwei Drittel seines Unternehmens seiner zweitältesten Tochter. Als die Firma Anfang des Jahres an die Börse in Hongkong ging, rissen sich die Anleger um die Papiere. Über Nacht wurde Yang, die in den USA studierte und noch vor kurzem im mittleren Management des Familienbetrieb gearbeitet hatte, zur vielfachen Milliardärin.
Yangs Aufstieg ist bezeichnend für Chinas Entwicklung. Trotz der Beteuerungen der KP-Führung, die Wohlstandskluft zu schließen, werden die Reichen immer reicher. Laut der neuen Forbes-Liste verfügen 40 Chinesen über ein Vermögen von mehr als eine Milliarde US-Dollar - im vergangenen Jahr schafften das nur 15. Ihr gemeinsames Vermögen verdreifachte sich - dank Börsenhoch und Immobilienboom - im vergangenen Jahr auf sagenhafte 120 Milliarden US-Dollar. Viele der Superreichen sind jung, gerade 40 Jahre alt.
Ob der plötzliche Reichtum Yangs Leben verändert, ist nicht bekannt. Wie viele Superreiche in China ist Yang äußerst öffentlichkeitsscheu. Ihr Ehemann soll der Sohn einer hohen KP-Funktionärs sein, schreiben chinesische Zeitungen. “Gutherzig” sei seine Tochter, sagt Vater Yang, und sie habe Geschäftssinn: “Sie ist Familie und ich habe Vertrauen in sie.”
Yang Huiyan gehört zu der ersten Generation von Reichen, die ihr Vermögen geerbt haben. Noch vor 30 Jahren waren alle Chinesen gleich arm. Erst mit der Wirtschaftsöffnung in den 80er und 90er Jahren entstanden die ersten Privatunternehmer. Vater Yang arbeitete sich vom einfachen Maurer zum Unternehmenschef hoch. Die Grundlage seines Erfolges baute er Ende der Neunziger Jahre, als er billiges Brachland und zum Teil Müllhalden kaufte, auf denen seine Firma heute Luxuswohnungen baut.
In keiner anderen Branche wird so schnell so viel Geld verdient wie im Baugewerbe. Weil immer mehr Chinesen vom Land in die Städte drängen, steigen die Immobilienpreise auf immer neue Rekordhöhen. Eine Wohnung in Shanghai kostet heute so viel wie in München - und das bei sehr viel niedrigeren Gehältern. Die Gewinnmargen der Baufirmen sind so fantastisch wie die Korruptionsgelder, die Kader für die Landtitel einstreichen.
Der Aufstieg der jungen Frau Yang wird deshalb auch kritisiert. “Viele normale Leute stöhnen unter den hohen Hypothekenbelastungen”, schreibt die Nanfang Tageszeitung. Wenn gleichzeitig Immobilienunternehmer so viel verdienen, sei das Wirtschaftssystem gestört.
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