Die teuerste Firma der Welt
Nov 6th, 2007 by Harald Maass
Der Aktienboom macht Chinas Unternehmen zu den teuersten Unternehmen der Welt. Neuer Spitzenreiter ist Petro-China - die einstige Staatsfirma ist nach dem Börsengang nun eine Billion US-Dollar wert. Doch sind Chinas Firmen wirklich so gut?
Der chinesische Öl- und Gaskonzern Petro-China ist nach dem
Börsengang am Montag in Schanghai das teuerste Unternehmen der Welt. Das
Interesse der chinesischen Käufer an der ehemaligen Staatsfirma war so
groß, dass sich der Aktienkurs am ersten Handelstag teilweise
verdreifachte. Petro-China ist damit das erste Unternehmen mit einem
Börsenwert von mehr als einer Billion Dollar (690 Milliarden Euro) und
etwa doppelt so teuer wie der US-Konkurrent Exxon.
Die Aktie von Petro-China, die für einen Ausgabepreis von 16,70 Yuan pro
Stück an die Börse kam, schloss zum Handelsende mit einem Kurs von 43,96
Yuan - ein Gewinnsprung von 163 Prozent. Sie übertraf damit deutlich die
Erwartungen von Analysten, die mit einem Kurs von um die 35 Yuan
gerechnet hatten. Obwohl nur ein kleiner Teil der Aktien zum Verkauf
standen, war der Börsengang mit einem Erlös von 8,9 Milliarden Dollar
der größte in der Geschichte Chinas.
Ein Grund für das fulminante Börsendebüt könnte der hohe Ölpreis sein,
der sich in den vergangenen Tagen der 100-Dollar-Marke näherte.
Analysten sehen in dem Börsengang jedoch auch einen Hinweis für eine
Blase an Chinas überhitzten Aktienmärkten. “In Bezug auf die Grundlagen
der Firma war der Eröffnungspreis von Petro-China wirklich viel zu
hoch”, sagte Wang Jing von der Firma Orient Securities der
Nachrichtenagentur Reuters.
Hoffen auf schnellen Reichtum
China ist derzeit im Aktienfieber. Obwohl die meisten Werte an den
Börsen in Schanghai und Schenzhen nach Ansicht von Experten überteuert
sind, hoffen viele Chinesen auf einen schnellen Reichtum an der Börse.
Jeden Tag werden in der Volksrepublik 250 000 neue Aktiendepots
eröffnet.
Die Folge dieser aufgeblähten Aktienkurse ist, dass chinesische Firmen
zu den teuersten Unternehmen der Welt aufsteigen. Die Industrial and
Commercial Bank of China (ICBC) ist gemessen am Börsenwert teurer als
die globale Citibank. Dabei geht es in den Filialen der ICBC so zu wie
bei einer Staatsbank. China Life Insurance ist der größte
Versicherungskonzern der Erde, hat aber noch nicht einmal eine richtige
englische Webseite.
Ähnlich überhöht ist die Bewertung von Petro-China, das nun rechnerisch
doppelt so viel wert ist wie Exxon. Die Tochterfirma der staatlichen
China National Petroleum Corporation erwirtschaftet mit 90 Milliarden
Dollar 2006 nur ein Viertel des Umsatzes von Exxon (377 Milliarden
Dollar). Dafür beschäftigt Petro-China 464 000 Menschen - fast vier Mal
so viel wie der US-Konkurrent.
Trotz des fulminanten Börsendebüts steigt die Nervosität an den
chinesischen Aktienmärkten und auch in der Pekinger Regierung. Nachdem
Ministerpräsident Wen Jiabao am Wochenende erneut vor den Folgen der
Spekulationsblase warnte, verlor die Börse in Schanghai am Montag mehr
als zwei Prozent.
Irgendwann platzt jede Aktienblase. Diese schmerzhafte Erfahrung werden
früher als später auch chinesische Anleger machen. Die exorbitanten
Bewertungen an den Börsen, wie jetzt beim globalen Spitzenreiter
PetroChina, haben schon lange nichts mehr mit dem realen Wert der
Unternehmen zu tun. Chinas Aktienmärkte gleichen einem Spielkasino. Mit
enormen politischen Risiken.
Der inländische Aktienboom wurde bislang davon angetrieben, dass die
Regierung den Chinesen keine Auslandsanlagen erlaubte. Dazu kommt die
Unerfahrenheit vieler Chinesen. Nach fast 30 Jahren Wirtschaftsboom kann
sich kaum jemand vorstellen, dass es an Börsen auch Krisen gibt.
Möglicherweise gelingt es Peking, die überhitzten Märkte sanft zu
landen. Wenn nicht, droht ein böses Erwachen: Bei einem Platzen der
Aktienblase werden Millionen chinesischer Familien über Nacht ihre
Lebensersparnisse verlieren. Der Verlierer wäre genau die städtische
Mittelschicht, die Gewinner der Reformen ist. Wenn sie den Glauben an
die Zukunft verliert, wird sie das Machtmonopol der KP infrage stellen.
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