Ein gestutzer Transrapid
Dez 2nd, 2007 by Harald Maass
Der geplante Transrapid-Ausbau in Shanghai wird nun doch kürzer als erwartet. Als Reaktion auf die Bürgerproteste wurde die Strecke um drei Kilometer gekürzt und soll über weite Teile in Tunneln verlaufen.
Shanghais Stadtregierung will nach den Protesten von Anwohnern im vergangenen Jahr den geplanten Ausbau der Transrapidstrecke verkürzen. Eine entsprechende Bekanntmachung veröffentlichte die
Stadtplanungsbehörde von Shanghai am Wochenende auf ihrer Webseite.
Die neue Verbindung zwischen den Flughäfen Pudong und Hongqiao sei
31,8 Kilometer lang und damit drei Kilometer kürzer als ursprünglich
geplant, heißt es dort. Um die Lärmbelästigung der Anwohner gering zu
halten, sollen weite Teile der Strecke zudem unterirdisch verlaufen.
Nach Anhörungen von Experten und der Bevölkerung sei der Plan für die
Transrapidverbindung “umfassed optimiert” worden, teilt die Behörde
mit und veröffentlichte Pläne und Detailskizzen mit der neuen
Streckenführung. Demnach soll der Transrapid durch weniger Wohnviertel
wie etwa im Meilong-Bezirk führen. Dort hatten im vergangenen Jahr
Anwohner mit Transparenten und Protestmärschen gegen den Transrapid
demonstriert, weil sie dadurch eine Wertminderung ihrer Immobilien
fürchten. Einige Protestierende hatten auch in einem offenen Brief an
Bundeskanzlerin Angela Merkel um Hilfe gebeten. Die Shanghaier
Behörden hatten daraufhin die bereits begonnen Bauarbeiten an der
Strecke unterbrochen.
Bei der Veröffentlichung handelt sich noch um einen Planungsentwurf.
Wann und ob die Bauarbeiten wieder aufgenommen werden, ist noch offen.
Eine Stellungnahme der Shanghaier Stadtregierung war über den
Jahreswechsel nicht zu bekommen. Anwohner entlang der geplanten
Strecke äußerten sich jedoch kritisch. “Der Transrapid soll nun 50
Meter von meiner Wohnung entfernt fahren. Das ist nicht genug”, sagte
ein Anwohner der Jinhong-Wohnanlage der FR. Viele Shanghaier fürchtet
Lärmbelästigung und Gesundheitsschäden durch den 430 Stundenkilometer
schnellen Magnetzug. Ein anderer Betroffener im Minhang-Bezirk
erklärte, dass er wegen der geplanten Transrapiderweiterung seine
Wohnung nur mit einem Abschlag verkaufen kann. “Die neuen Pläne ändern
nichts an den negativen Folgen des Transrapid.”
Das deutsche Transrapid-Konsortium aus ThyssenKrupp und Siemens
verhandelt seit Jahren mit der chinesischen Seite über eine
Verlängerung des seit 2004 betriebenen Magnetschwebezugs. Bislang
fährt der Zug nur auf einer 30 Kilometer langen Strecke vom Flughafen
Pudong bis an in eine Vorstadt Shanghais, die Fahrzeit beträgt acht
Minuten. Chinesischen Medienberichten zufolge sollen ThyssenKrupp und
die Shanghai Maglev-Betreibergesellschaft sich im Oktober
grundsätzlich auf einen Ausbau vor der Weltausstellung Expo 2010 in
Shanghai geeinigt haben. Allerdings fehlt noch eine abschließende
Genehmigung des Staatrates in Peking.
Chinas Begeisterung für den deutschen Transrapid hat sich in den
vergangenen Jahren merklich abgekühlt. Beim Bau der 1,2 Milliarden
Euro teuren Flughafenbahn war ursprünglich eine Erweitung in die 170
Kilometer entfernte Nachbarstadt Hangzhou geplant gewesen. Weil die
bestehende Strecke jedoch kaum von den Shanghaiern genutzt wird und
Verluste einfährt, sind diese Pläne mittlerweile auf Eis gelegt.
Chinesische Firmen und Universitäten versuchen zudem seit Jahren,
einen eigenen Magnetschwebezug zu entwickeln. Die nun geplante
Verlängerung nach Hongqiao würde zumindest als Verbindung zwischen den
beiden Shanghaier Flughäfen Sinn machen und wäre zugleich ein
Aushängeschild der Stadt für die Weltausstellung in zwei Jahren.
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